
"Pfeifen erschallen, die Pauke erdröhnt, es tönen die Flöten....Mancherlei Töne entströmen aus tausend Löchern der Flöten. Mit gewaltigem Lärm werden die Pauken gerührt."
(Ein Text von Magister Justinus, um das Jahr 1260.)
Musik bei den Feuerwehren hat eine lange Tradition. Waren es früher die verschiedenen Signale, die von den zur Wehr gehörenden Musikern bei Einsätzen und beim Probendienst zu spielen waren, so hat sich dieser musikalische Einsatz im Lauf der Zeit auf die gesellschaftlichen Veranstaltungen der Feuerwehr verlagert.
Angeregt durch die Teilnahme vieler feuerwehreigener Züge beim Festumzug anlässlich des 90-jährigen Stiftungsfestes, beschloss dann der Ausschuss der Feuerwehr Renchen unter dem damaligen Kommandanten Josef Boos im Oktober 1960 die Gründung eines Spielmannszuges.
Nach der Beschaffung der erforderlichen Instrumente - damals gebräuchliche Holzflöten und drei kleine Trommeln - konnte Anfang 1961 die Probenarbeit aufgenommen werden. Der erste Auftritt fand anlässlich des Katharinenballs im November 1961 im "Gasthaus Löwen" statt.
Als Ausbilder der Trommler und gleichzeitig als Tambourmajor fungierte zunächst Gustav Senk. Leider musste er nach knapp zwei Jahren aus beruflichen Gründen Renchen und damit auch den noch jungen Spielmannszug verlassen.
Die Stabführung übernahm danach Willi Strack, dessen Engagement es zu verdanken war, dass der Spielmannszug in den schwierigen Anfangsjahren zusammengehalten werden konnte und ein stetiger Aufbau erfolgte.

Die musikalische Ausbildung lag in dieser Zeit in den Händen von Günter Häberle (Flöten) und Kurt Seiler (Trommeln), der ab 1964 für den Zug gewonnen wurde. Ende 1966/Anfang 1967 wurde der Klangkörper durch große Trommeln und Becken erweitert.
Erstmals wurden Ende 1967 auch fünf Mädchen als Flötistinnen ausgebildet und in den Zug aufgenommen.

Als Günter Häberle Ende 1969 aus beruflichen Gründen ausscheiden musste, übernahm Walter Bär die Gesamtleitung der Proben. Durch das ab dieser Zeit praktizierte mehrstimmige Flötenspiel wurde die musikalische Stimmung des Zuges wesentlich verbessert.
Das Weiteren erhielt der Spielmannszug anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Kommandant Walter Konrad als Jubiläumsgeschenk eine Lyra, die eine weitere musikalische Bereicherung darstellte.

Ab November 1971 übernahm Walter Bär die Stabfährung von Willi Strack und damit die Gesamtverantwortung für den Zug. In der 20-jährigen Stabführertätigkeit von Walter Bär bis Ende 1991 konnte dank konsequenter und zielstrebiger Ausbildungs- und Probenarbeit eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung erreicht und der Renchener Spielmannszug zu einem auf Landes- und Bundesebene anerkannten musiktreibenden Zug ausgebaut werden.
Ab 1972 wurde zunächst durch einen Flötenwechsel sowie der Anschaffung von Altflöten fünfstimmiges Spiel möglich. Von nun an konnte auch gemeinsam mit Blasmusikkapellen musiziert werden. Erstmals erfolgte dies mit der Musikkapelle Renchen anlässlich eines sonntäglichen Standkonzertes im Mai 1973 mit dem "Kronprinz-Marsch".
Die erfolgreichen Jahre: Der Aufgabenschwerpunkt in den Gründerjahren des Spielmannszuges lag im Aufbau und Erhalt des Spielerstammes und der Entwicklung eines musikalischen breit gestreuten Klangkörpers. Nachdem dieses Ziel erreicht wurde, galt es ab den 70er Jahren, das musikalische Repertoire nach und nach umfangreicher und anspruchsvoller zu gestalten. Umfasste es bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich einfachere Märsche, reicht es heute von Konzertmärschen über Operetten- und Musical-Melodien bis hin zu konzertanter Musik.

Die stetige Aufwärtsentwicklung des Spielmannszuges unter der Stabführung von Walter Bär machen insbesondere die Leistungen bei Wertungsspielen deutlich, bei denen bis heute jeweils in der höchsten Schwierigkeitsstufe, der Oberstufe, gespielt wird. Auf zahlreiche Erfolge bei derartigen Veranstaltungen kann zurückgeblickt werden. Insgesamt wurde der Spielmannszug bis heute mit sieben Gold- und fünf Silbermedaillen ausgezeichnet.
Herausragend war das Landeswertungsspiel 1985 in Aalen. Dort nahm man mit gleich zwei Zügen teil. Sowohl der Seniorenzug in der Oberstufe (Goldmedaille) als auch der Jugendspielmannszug in der Unterstufe (Silbermedaille) wurden in ihrer Klasse Punktbester und erhielten je einen Wanderpokal. Aber auch Einladungen zu regionalen und überregionalen Veranstaltungen sind beweise für die hohe Anerkennung, die dem Spielmannszug immer wieder zuteil werden. Zum Ende des Jahres 1991 verlässt Stabführer Walter Bär auf eigenen Wunsch den Musikzug. Aufgrund der anerkannt großen Leistungen um den Spielmannszug wurde Walter Bär zum Ehrenstabführer ernannt.
Ab Beginn des Jahres 1992 leitete das "Eigengewächs" Rüdiger Lauk den Zug. Seine Bewährungsprobe hatte er 1993 beim Landeswertungsspiel in Fellbach bestanden. Dort konnte er den Spielmannszug zum Punktbesten des Landes heranführen.
Ein Novum in der Geschichte des Spielmannszuges war 1995 die Aufführung des Stückes "Der hohe Tag". Gemeinsam mit dem Musik- und Gesangsverein präsentierte man den Musikgenuss. Anlass waren die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Feuerwehr.
Im Jahre 1997 übernahm Heinz Birk die musikalische Leitung des Zuges von Rüdiger Lauk, der durch berufliche Veränderung die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen konnte.
Der Spielmannszug stellt heute einen Klangkörper dar, dessen hohe musikalische Qualität und dessen akkurates Auftreten immer wieder Anerkennung erfahren. Er ist aus den gesellschaftlichen Veranstaltungen der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken. So begleitet er die Feuerwehrkameraden zu auswärtigen Festen, umrahmt den Katharinenball, den Höhepunkt der feuerwehreigenen kameradschaftlichen Veranstaltungen. Darüber hinaus ist der Spielmannszug auch fester Bestandteil des kulturellen Lebens Renchens.
Zum anderen stellt der Spielmannszug auch eine Bereicherung des fastnächtlichen Geschehens in Renchen dar. So war er vom Anfang an bei den Renchener Fastnachtsumzügen dabei. Die Gewinnung von Nachwuchsspielern und deren qualifizierte Ausbildung ist stets ein besonderes Anliegen des Zuges und damit ein Garant für dessen stetige Weiterentwicklung. Engagierten und begabten Jugendlichen wird die Teilnahme an weiterführenden Lehrgängen, zum Beispiel an der Bundesjugendmusikschule Altgandersheim oder an Sonderlehrgängen an der Feuerwehrschule Bruchsal ermöglicht.